Wenn du ein Schnittmuster lesen kannst, wird aus einer Seite voller Linien, Pfeile und Dreiecke eine klare Karte. Jede Markierung auf einem Schnittteil sagt dir, wie du es auf den Stoff legst, wie oft du es zuschneidest und wie die Teile zusammengehören. Kennst du das gutes Dutzend Symbole, kannst du jedem Schnittmuster folgen – unseren und denen anderer Marken.
Zeit 10 Min. Lesezeit
Niveau Anfänger
Für Jedes PDF-Schnittmuster
Werkzeug Gedrucktes Schnittmuster, Kreide, Schere
1. Was auf einem Schnittteil steht
Jedes Teil trägt dieselbe Art von Informationen. Achte auf den Namen des Teils (Vorderteil, Rückenteil, Ärmel, Kragen), die Zuschneideangabe (zum Beispiel 2 × zuschneiden oder 1 × im Stoffbruch), die Größenlinienund die Markierungen , die dir beim Zuschneiden und Nähen helfen. Die Zeichnung unten zeigt, wo sie meist sitzen.
2. Schnittmuster-Symbole und ihre Bedeutung
| Symbol | So sieht es aus | Das tust du |
|---|---|---|
| Fadenlauf | Ein langer gerader Pfeil mit Spitze an einem oder beiden Enden | Leg das Teil so, dass der Pfeil parallel zur Webkante liegt. Miss von beiden Pfeilenden zur Webkante: Der Abstand muss gleich sein. |
| Im Stoffbruch | Eine Klammer mit Pfeilen zu einer Kante oder die Worte „Im Stoffbruch“ | Falte den Stoff und leg diese Kante genau an den Bruch. Nicht entlang schneiden. So entsteht ein breites, symmetrisches Teil. |
| Passzeichen | Kleine Dreiecke oder kurze Striche an der Schnittlinie | Beim Stecken auf die Passzeichen des nächsten Teils abstimmen. Ein Passzeichen steht meist für vorne, zwei für hinten. |
| Punkte und Kreise | Kleine gefüllte oder offene Kreise | Markiere sie. Sie zeigen, wo ein Abnäher endet, wo du aufhörst zu nähen oder wo eine Tasche sitzt. |
| Verlängerungs-/Kürzungslinie | Zwei parallele Linien quer über das Teil | Hier schneiden oder falten, um die Länge zu ändern. Siehe Schnittmuster verlängern oder kürzen. |
| Abnäher | Eine V- oder Rautenform innerhalb des Teils | Beide Schenkel und die Spitze markieren. So falten, dass die Schenkel aufeinanderliegen, und bis zur Spitze nähen. |
| Knopf und Knopfloch | Ein Kreuz oder kleiner Kreis für den Knopf, ein kurzer Strich für das Knopfloch | Position und Länge jedes Knopflochs auf der rechten Stoffseite markieren. |
| Falte oder Biese | Zwei Linien mit einem Pfeil dazwischen | Den Stoff in Pfeilrichtung falten, sodass eine Linie auf die andere trifft. |
| Kräusellinie | Eine Wellenlinie oder zwei Punkte mit „dazwischen kräuseln“ | Zwischen den Markierungen zwei Reihen langer Stiche nähen und zum Kräuseln anziehen. |
3. Größenlinien und Nahtzugabe
Viele Schnittmuster drucken alle Größen auf einen Bogen, jede mit eigener Linienart oder Farbe. Unsere PDF-Schnittmuster gehen einen Schritt weiter: Jede Größe hat eine eigene Datei, also gibt es nur eine Schnittlinie. Wenn du nicht weißt, welche Datei du öffnen sollst, lies die richtige Schnittmuster-Größe finden.
Die Nahtzugabe ist der Stoffstreifen zwischen Schnittlinie und Nahtlinie. Die Anleitung sagt dir, ob sie enthalten ist und wie breit sie ist. Ist sie enthalten, schneidest du einfach auf der Linie und nähst in diesem Abstand zur Kante – mit Hilfe der Markierungen auf der Stichplatte deiner Maschine.
Vor allem anderen: Miss das Testquadrat auf der gedruckten Seite. Stimmt es nicht genau, ist das ganze Schnittmuster falsch. Siehe PDF-Schnittmuster drucken und zusammenkleben.
4. Die Zuschneideangaben lesen
- 2 × zuschneiden: zwei Teile aus doppelt gelegtem Stoff zuschneiden. So entstehen ein linkes und ein rechtes, spiegelverkehrtes Teil – genau richtig für Ärmel, Seitenteile und Rückenteile mit Mittelnaht.
- 1 × im Stoffbruch: die Bruchkante an den Stoffbruch legen und einmal zuschneiden. So entsteht ein symmetrisches Teil.
- 1 × + 1 × gegengleich: bei einlagigem Stoff einmal mit dem Papier nach oben und einmal nach unten zuschneiden, damit die Teile spiegelbildlich sind.
- Aus Futter oder Einlage zuschneiden: Manche Teile werden zusätzlich aus einem anderen Material zugeschnitten. Auf dem Teil steht, aus welchem und wie oft.
Leg alle Teile auf den Stoff, bevor du das erste zuschneidest, damit du weißt, dass alles passt. Teile mit Strich oder Motiv mit Laufrichtung zeigen alle in dieselbe Richtung. Unsicher bei Fadenlauf und Stoffbreite? Lies den richtigen Stoff wählen.
5. Die Markierungen auf den Stoff übertragen
Markiere alles, solange das Papier noch auf dem Stoff festgesteckt ist. Sobald es ab ist, sind die Markierungen weg.
| Markierung | So überträgst du sie am besten |
|---|---|
| Passzeichen | In die Nahtzugabe einknipsen, nicht tiefer als 3 mm, oder das Dreieck nach außen schneiden. |
| Punkte und Abnäherspitzen | Eine Stecknadel durch beide Lagen stechen und jede Seite mit Kreide oder einem auswaschbaren Stoffstift markieren. |
| Abnäherschenkel und Faltlinien | Kreide und Lineal oder Kopierpapier und Kopierrädchen auf der linken Seite. |
| Knopflöcher und Taschen | Kreide oder auswaschbarer Stift auf der rechten Seite, vor dem Nähen noch einmal mit dem Papier abgleichen. |
| Empfindliche Stoffe | Schneiderheftstiche: eine lockere Fadenschlinge durch beide Lagen, die zwischen den Lagen durchgeschnitten wird. |
6. Begriffe und Abkürzungen in Anleitungen
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| RS / LS | Rechte Seite (die sichtbare Seite) und linke Seite (die Innenseite) des Stoffes. |
| re auf re | Rechts auf rechts: die beiden Teile vor dem Nähen mit den rechten Seiten aufeinanderlegen. |
| NZ | Nahtzugabe. |
| VM / HM | Vordere Mitte und hintere Mitte. |
| Staysticheln | Eine Stichreihe in der Nahtzugabe, die verhindert, dass sich gerundete Kanten wie Ausschnitte dehnen. |
| Unterstaffieren | Die Nahtzugabe auf den Beleg oder das Futter steppen, damit er nach innen rollt. |
| Absteppen | Eine sichtbare Steppnaht auf der rechten Seite für einen sauberen Abschluss. |
| Heften | Lange, vorübergehende Stiche, um Teile zu fixieren oder die Passform zu testen. |
| Rundung einknipsen | Kleine Schnitte in die Nahtzugabe einer Rundung, damit sie nach dem Wenden flach liegt. |
Häufige Fehler, die du vermeiden solltest
- Den Fadenlauf ignorieren. Ein leicht schief zugeschnittenes Teil verzieht sich und fällt schlecht – besonders nach dem Waschen.
- Entlang der Bruchkante schneiden. Dann hast du zwei halbe Teile statt eines ganzen.
- Die Passzeichen vergessen. Ohne sie werden Ärmel falsch herum eingesetzt und Nähte passen nicht.
- Zwei identische Teile aus einlagigem Stoff schneiden. Für ein Paar das Papier beim zweiten Teil umdrehen.
- Passzeichen zu tief einknipsen. Ein Schnitt über die Nahtlinie hinaus macht ein Loch in die Naht.
So übst du
Beginn mit einem einfachen Kleidungsstück aus wenigen Teilen, etwa einer Hose mit Gummi- oder Tunnelzug oder einem einfachen Rock. Dabei begegnen dir Fadenlauf, Stoffbruch und Passzeichen, ohne Abnäher oder Knopflöcher. Dann geht es weiter mit einer Bluse oder Jacke, die fast jedes Symbol dieser Anleitung nutzt. Lies vor dem Start die ganze Anleitung einmal durch und leg alle Teile aus, um zu prüfen, ob du alle hast. Bereit? Such dir eines unserer kostenlosen Hosen-Schnittmuster oder Rock-Schnittmuster aus.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Pfeil auf einem Schnittmuster?
Ein langer gerader Pfeil ist der Fadenlauf. Er muss parallel zur Webkante des Stoffes liegen. Eine Klammer mit Pfeilen, die zu einer Kante zeigen, bedeutet „im Stoffbruch“.
Was sind die Dreiecke auf einem Schnittmuster?
Das sind Passzeichen. Sie helfen dir, Teile beim Stecken aufeinander abzustimmen. Knips sie in die Nahtzugabe ein oder schneide sie nach außen, damit du sie auf dem Stoff siehst.
Ist die Nahtzugabe im Schnittmuster enthalten?
Das hängt vom Schnittmuster ab. In der Anleitung steht immer, ob sie enthalten ist und wie breit sie ist. Prüf das vor dem Zuschneiden.
Was bedeutet „2 × im Stoffbruch zuschneiden“?
Leg die Bruchkante des Teils an den Stoffbruch, schneide zu und wiederhole das ein zweites Mal. Du bekommst zwei symmetrische Teile, zum Beispiel ein Oberstoff- und ein Futterteil.
Schnittmuster gelesen und markiert? Such dir ein kostenloses Schnittmuster aus und schneide zu.
